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Unsere Sicht

KI in der Software­entwicklung

KI ist mehr als eine Technologie. Sie ist Werkzeug, Werkstatt, Abstraktionsebene und Paradigmenwechsel zugleich — und der jüngste Schritt in einer 60 Jahre langen Evolution weg vom »Wie?« hin zum »Was?«.

Kernthese

Mehr als nur die nächste Technologie

Wer KI nur als weiteres Werkzeug im Stack behandelt, verschenkt Potenzial – und unterschätzt, was sich daneben verändert: die Art, wie Software entsteht, validiert und betrieben wird.

Zwei Perspektiven machen diese Verschiebung greifbar. Strukturell wirkt KI auf drei Ebenen gleichzeitig – als Technologie, als Werkzeug und als neues Paradigma. Historisch ist sie der jüngste Schritt in einer 60-jährigen Evolution, die Software systematisch weg vom »Wie?« und hin zum »Was?« geführt hat.

Wirkungsebenen

Drei Ebenen, eine Technologie

Strukturell wirkt KI simultan auf drei Ebenen: als Technologie im Kern, als Werkzeug und Werkstatt in der Mitte, als neue Abstraktions- und Paradigmenebene außen. Per Hover oder Klick auf einen Ring erscheint die passende Einordnung.

Drei Ebenen umfassen einander wie Schalen. Aufklappen für Details.

Äußere Ebene

Abstraktion & Paradigma

KI ist die erste Abstraktionsebene, die semantische Intentionen statt Syntax verarbeitet. Damit verschiebt sich der Fokus vom deterministischen »Wie« zum deklarativen »Was« — und vom absoluten Ergebnis zur statistischen Wahrscheinlichkeit.

Mehr dazu
  • Vom prozeduralen »Wie« zur deskriptiven Zieldefinition
  • Fehlerquelle wandert von Syntax zu Logik und Spezifikation
  • Qualität wird statistisch validiert, nicht mehr binär geprüft
  • Entwickler werden vom Code-Schöpfer zum Strategen des Systems

„Wir orchestrieren Ziele, statt Zeilen zu schreiben."

Mittlere Ebene

Werkzeug & Werkstatt

Von der assistierenden Code-Vervollständigung zum autonomen Agenten. 2025 markiert den agentischen Kipppunkt — die KI wird vom passiven Kopiloten zum proaktiven Autopiloten im gesamten SDLC.

Mehr dazu
  • Prä-agentisch: reaktiv, »Autocomplete on Steroids« (~+8 % Effizienz)
  • Agentisch: proaktiv, verfolgt eigenständig Ziele im gesamten SDLC
  • Mensch orchestriert, KI handelt — vom Kopilot zum Autopilot
  • Governance nötig, damit aus Beschleunigung kein Code-Wildwuchs wird

„Agentische KI ist der Beschleuniger agiler Entwicklung — AI-gility."

Innerer Kern

Technologie

Die grundlegenden Bausteine, Protokolle und Standards eines Softwaresystems. KI zieht als neue Technologie direkt in das Endprodukt ein und löst fachliche Probleme zur Laufzeit.

Mehr dazu
  • Vektordatenbanken, PyTorch, TensorFlow, Inferenz-Schnittstellen
  • Architektur großer Sprachmodelle (LLMs), neuronale Netze
  • Tokens, Embeddings, Attention-Mechanismus
  • Beispiel: LLM via API in einer App einbinden

„Technologisches Verständnis ist das Fundament unseres Handwerks."

Abstraktionssprünge

Vom Bit zur natürlichen Sprache

60 Jahre Softwareentwicklung in vier Abstraktions­sprüngen – jede Stufe rückte die Frage »Wie?« einen Schritt näher an die Frage »Was?«.

WIE?

Jeden Schritt der Maschine explizit vorgeben. Der Mensch denkt auf Maschinen­ebene – in Registern, Schleifen, Instruktionen.

  1. Bit & Byte

    Imperativ

    Assembler · Maschinencode

    Jede Operation wird explizit beschrieben — auf Register-, Speicher- und Instruktionsebene. Der Programmierer spricht die Sprache der Maschine.

    • Prozedurales Denken — Schritt für Schritt
    • Volle Kontrolle, volle Verantwortung
    • Leitfrage: »Wie?«

    „Der Mensch denkt wie die Maschine."

  2. Struktur & Objekt

    Abstraktion

    C++ · Java · Smalltalk

    Komplexität wird durch Kapselung beherrschbar. Statt einzelner Instruktionen formuliert der Mensch Beziehungen zwischen Bausteinen — Klassen, Vererbung, Patterns.

    • Objekte statt Schritte
    • Design Patterns als gemeinsame Sprache
    • Leitfrage: »Wie baue ich das als System?«

    „Der Mensch denkt in Strukturen."

  3. Daten & Deklaration

    Zielgerichtet

    SQL · HTML/CSS · Funktional

    Der Fokus verschiebt sich vom Ablauf zum Ergebnis. SQL beschreibt das gewünschte Datenbild, HTML den Seitenaufbau — nicht die Schritte dorthin. Das »Wie?« tritt zurück hinter das »Was?«.

    • Compiler/Interpreter wählt den Weg
    • Weniger Code, mehr Intention
    • Leitfrage: »Was soll rauskommen?«

    „Der Mensch beschreibt Ziele — die Maschine findet Wege."

  4. Intention & Agent

    Probabilistisch

    Natürliche Sprache · LLMs · Agents

    Die finale Abstraktion: natürliche Sprache als Schnittstelle. KI-Agenten verstehen Absichten, planen Lösungen und handeln. Der Mensch formuliert Kontext und Ziel — die Maschine übersetzt in Code und Aktion.

    • Wahrscheinlichkeit statt Determinismus
    • Validierung statt binärer Prüfung
    • Leitfrage: »Was soll das System erreichen?«

    „Der Mensch formuliert Absichten — die Maschine handelt."

WAS?

Das Ziel beschreiben – die Maschine findet den Weg. Der Mensch formuliert Absichten, die Maschine plant und handelt.

2025 – Wendepunkt

Der agentische Kipppunkt

KI-Werkzeuge vollziehen gerade den Sprung vom reaktiven Kopiloten zum proaktiven Autopiloten. Prä-agentische Assistenten brachten begrenzte, punktuelle Effizienzgewinne im einstelligen Prozentbereich – agentische Systeme können autonome Aufgaben im gesamten Software Development Lifecycle übernehmen: von der Anforderungsanalyse über Implementierung und Test bis zur Inbetriebnahme.

Die zentrale Verschiebung: Der Mensch wechselt die Rolle. Aus dem Ausführenden wird ein Orchestrator, der Ziele formuliert, Leitplanken setzt und Ergebnisse validiert. Governance wird damit wichtiger, nicht weniger wichtig – denn Geschwindigkeit ohne Qualitätssicherung produziert nur schnelleren Code-Wildwuchs.

Wirkung

Geringere Kosten, neue Ansätze

Coding Agents senken die Kosten pro Feature nicht durch schlechtere Qualität, sondern durch intelligente Automatisierung von Routineaufgaben. Viel interessanter ist die zweite Wirkung: Ansätze, die bisher zu teuer oder zeitaufwändig waren, werden realistisch.

  • Echtes Rapid Prototyping. Ideen in Stunden statt Wochen validieren – inklusive funktionierendem Code, nicht nur Mockups.
  • Wegwerf-Frontends. Oberflächen für einen begrenzten Zweck bauen, nutzen, wegwerfen – ökonomisch erst durch KI.
  • Explorative Architektur-Spikes. Zwei, drei Architektur-Varianten parallel durchspielen, vergleichen, entscheiden – bevor die teure Festlegung kommt.
Mensch im Zentrum

KI beschleunigt. Menschen entscheiden.

IT-Sicherheit, Integration in gewachsene – oft unzureichend dokumentierte – Umsysteme, architektonische Grundsatzentscheidungen und das kritische Hinterfragen von KI-Ergebnissen bleiben menschliche Aufgaben. Entwickler entwickeln sich dabei vom Code-Schöpfer zum Strategen, der Zielsysteme definiert und ihre Qualität validiert.

Genau deshalb bilden wir unsere Mitarbeiter systematisch in KI-Themen aus – technische wie nicht-technische Rollen. Wer KI sinnvoll einsetzen will, muss wissen, wo sie zuverlässig ist, wo sie halluziniert, und wie man Qualität statistisch validiert statt binär prüft.

Unverbindlich

Gespräch zur KI-Integration

Wie KI-Werkzeuge und agentische Systeme im eigenen Entwicklungs-Setup ankommen – konkret, ohne Hype.

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Daniel Wochnik

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Daniel Wochnik

Geschäftsbereichsleitung «Finanzdienstleistungen»

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