Einleitung
Die Rechnung klingt einfach: Ein interner Softwareentwickler kostet 5.854 Euro brutto im Monat, ein externer Berater 1.000 Euro am Tag. Monat hat grob 20 Arbeitstage, also kostet der Externe fast das Dreifache. Warum sollte man da jemals einen Berater beauftragen?
Diese Milchmädchenrechnung begegnet uns regelmäßig — in Budgetdiskussionen, Vorstandspräsentationen und Strategiepapieren. Sie ist so verbreitet wie falsch. Denn der Vergleich Bruttogehalt versus Tagessatz ignoriert systematisch die versteckten Kosten interner Beschäftigung.
For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong.
Der interne Entwickler im Detail
Stufe I: Die direkten Kosten
Beginnen wir beim Bruttogehalt. Ein erfahrener Softwareentwickler in Deutschland verdient aktuell rund 70.000 Euro brutto im Jahr — das entspricht den genannten 5.854 Euro pro Monat.
Dazu kommen die Personalnebenkosten: Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft, Umlagen. In Summe etwa 23,3 % auf das Bruttogehalt. Aus 70.000 Euro werden so 86.310 Euro.
Dann die Kosten, die in keiner Gehaltsabrechnung stehen:
- Weiterbildung: Konferenzen, Schulungen, Zertifizierungen. Konservativ angesetzt: 3.000 Euro pro Jahr.
- Arbeitsplatz: Bürofläche, Hardware, Lizenzen, Kaffee. In deutschen Großstädten realistisch: 1.000 Euro pro Monat, also 12.000 Euro im Jahr.
Das ergibt in Stufe I bereits rund 100.000 Euro pro Jahr — ein Aufschlag von über 40 % auf das Bruttogehalt.
Softwareentwickler | pro Monat | pro Jahr | |
|---|---|---|---|
| Bruttomonatsgehalt | 5.854 € | 70.248 € | |
| Personalnebenkosten | 23,3% | 1.364 € | 16.368 € |
| Weiterbildung | 250 € | 3.000 € | |
| Arbeitsplatz | 1.000 € | 12.000 € | |
Vollkosten I | 8.468 € | 101.616 € |
Stufe II: Die indirekten Kosten
Jetzt wird es interessant. Interne Mitarbeitende brauchen Management. Teamleitung, Personalentwicklung, Feedbackgespräche, Onboarding, Administration. Studien zeigen: In einem typischen 10-Personen-Team gibt es durchschnittlich 1,9 Personen in Leitungs- und Koordinierungsfunktionen.
Work expands so as to fill the time available for its completion.
Parkinsons Gesetz lässt sich auch auf Organisationsstrukturen anwenden: Je größer eine Abteilung, desto mehr Verwaltungsaufwand erzeugt sie. Rechnet man den anteiligen Management-Overhead auf den einzelnen Entwickler um, steigen die Kosten auf etwa 125.000 Euro pro Jahr.
IT-Teamleiter | pro Monat | pro Jahr | |
|---|---|---|---|
| Bruttomonatsgehalt | 6.521 € | 78.250 € | |
| Personalnebenkosten | 23,3% | 1.519 € | 18.232 € |
| Weiterbildung | 250 € | 3.000 € | |
| Arbeitsplatz | 1.000 € | 12.000 € | |
| weitere Hierarchiestufen | 710 € | 8.520 € | |
Vollkosten | 10.000 € | 120.002 € |
Softwareentwickler | pro Monat | pro Jahr | |
|---|---|---|---|
| Bruttomonatsgehalt | 5.854 € | 70.248 € | |
| Personalnebenkosten | 23,3% | 1.364 € | 16.368 € |
| Weiterbildung | 250 € | 3.000 € | |
| Arbeitsplatz | 1.000 € | 12.000 € | |
| Vollkosten agile Führung 10 t€ | 0,19 | 1.900 € | 22.800 € |
Vollkosten II im agilen Kontext | 10.368 € | 124.416 € |
Die Produktivitätsfrage
Die entscheidende Frage ist nicht, was ein Entwickler kostet — sondern was er leistet. Genauer: An wie vielen Tagen im Jahr arbeitet er tatsächlich produktiv an Projekten?
Die Rechnung beginnt bei 250 Arbeitstagen und zieht systematisch ab:
- 30 Tage Urlaub (gesetzlich + tariflich üblich)
- 13 Tage Krankheit (Durchschnitt laut Statistischem Bundesamt)
- 5 Tage Weiterbildung (Konferenzen, Schulungen)
- 5 Tage Fortbildung (interne Workshops, Onboarding-Unterstützung)
Bleiben 197 Anwesenheitstage. Aber Anwesenheit ist nicht gleich Produktivität. Meetings, E-Mails, Slack-Nachrichten, Verwaltungsaufgaben, Context Switching — konservativ geschätzt gehen 25 % der Arbeitszeit für nicht-projektbezogene Tätigkeiten drauf.
Das ergibt 147 effektive Projekttage pro Jahr.
Arbeitstage p.a. | 250 | |
|---|---|---|
| Urlaub | -30 | |
| Krankheit | -13 | |
| Weiterbildung | -5 | |
| gesetzl. Weiterbildungsurlaub | -5 | |
| unproduktive Zeit | 25,0% | -49 |
effektive Arbeitstage p.a. | 147 |
Bei Gesamtkosten von 125.000 Euro und 147 produktiven Tagen liegt der interne Tagessatz bei rund 850 Euro.
Fazit
Der naive Vergleich suggeriert einen Kostenunterschied von 70 % zugunsten des internen Entwicklers. Die detaillierte Analyse zeigt: Der reale Unterschied liegt bei etwa 15 %.
Und selbst diese 15 % erzählen nicht die ganze Geschichte. Externe Berater bringen Erfahrung aus verschiedenen Projekten und Organisationen mit, sind sofort produktiv einsetzbar und verursachen keinen langfristigen Overhead in der Personalverwaltung. Interne Entwickler dagegen bauen langfristig Wissen auf, sind kulturell integriert und stehen dauerhaft zur Verfügung.
Der Punkt ist nicht, dass eines besser ist als das andere. Der Punkt ist: Die Entscheidung zwischen intern und extern sollte auf Basis realistischer Zahlen getroffen werden — nicht auf Basis einer Milchmädchenrechnung, die systematisch die Hälfte der Kosten ignoriert.
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Geschäftsführer
Michael Schwarze ist Geschäftsführer von atra consulting und erfahrener Softwareentwickler, -architekt und -manager mit über 30 Jahren Erfahrung. Er hat in Startups und Konzernen gearbeitet und begeistert sich für moderne Softwarearchitekturen und dynamisch-typisierte Sprachen.